Genau genommen bedeutet Stiefelette „Stiefelchen“, denn die französische Endung -ette stellt eine Verkleinerungsform dar. Und der kleine Bruder des großen Stiefels hat tatsächlich eine ganze Menge vom Chic aus dem Modeland par excellence. Hinzu kommen die vielseitigen Verwendungsmöglichkeiten der Stiefelette und der unglaubliche Tragekomfort.
Bereits die Modejournale des 19. Jahrhunderts zeigen Illustrationen von Damen, die – in einen eleganten Pelz gehüllt und mit passender Mütze und Muff ausstaffiert – auf eleganten Stiefeletten tippeln. Damals gab es als Verschluss meist die Hakenschnürung, und selbstverständlich blieb die Fußbekleidung im wirklichen Leben dem Betrachter weitestgehend verborgen.
Den Anfang mit der Revolution im Schuhbereich hatten indessen die Herren gemacht. Das Biedermeier ab etwa 1820 war die Zeit der militärischen Entspannung. Die Männer waren nicht mehr in Kriegseinsätzen zu finden, sondern konnten sich auf das elegante gesellschaftliche Leben oder zumindest das beschauliche im Kreis ihrer Lieben besinnen. Für die hohen Schaftstiefel gab es vorläufig keine Verwendung. Entsprechend wurden die Hosenbeine länger; die bis dahin üblichen Kniehosen wichen den knöchellangen. Und die Herren von Welt trugen Stiefeletten.
Seither war der Siegeszug der Stiefelette nicht mehr aufzuhalten. Bei der ungeheuren Modevielfalt, die bereits seit einigen Jahrzehnten bei uns existiert, haben sich viele Unterformen der Stiefelette herausgebildet, die unter verschiedenen Bezeichnungen und in diversen Varianten bekannt sind. Bei der eigentlichen Stiefelette handelt es sich jedoch um einen etwa knöchelhohen Stiefel mit einem seitlichen Elastikeinsatz, der das leichte An-und Ausziehen garantiert.
Allerdings darf man im täglichen Sprachgebrauch getrost auch anders ausgearbeitete Stiefeletten als solche bezeichnen. Die zum Schnüren wirken generell eleganter als solche mit Klettverschluss, und eine Hakenschnürung verleiht den Stiefeletten sogar einen Hauch von nostalgischer Extravaganz. Bei Schnee und Glatteis bewähren sich flache Stiefeletten, am besten mit rutschfester Sohle und mit warmem Futter ausgestattet. Ein modisches Highlight setzt der Hersteller, wenn er das mollige Innenleben auch nach außen stülpt, die Stiefelette also am oberen Rand mit einem Pelzkranz versieht.
Die sportliche Variante der Stiefeletten ist selbstverständlich auch bei wärmeren Temperaturen angesagt. In den Übergangsmonaten sehen jedoch auch zierlicher geschnittene top aus. Ob die Trägerin dabei die flache Form wählt oder lieber auf Block- oder gar hohen, spitzen Absätzen spaziert, bleibt ihr selbst überlassen.
So vielfältig die Ausformungen der Stiefeletten sind, so weit reichen auch die Kombinationsmöglichkeiten. Es ist ein Irrglaube, dass man diese Schuhe lediglich zu langen Hosen tragen sollte. Gerade in der heutigen Zeit, in der modisch nahezu alles erlaubt ist, darf man gerne auch mal ein wenig experimentieren. Also etwa schmale, knöchelhohe Stiefeletten zum wadenlangen Rock. Oder wadenhohe zum Mini.
Im Gegensatz zu den langen Schaftstiefeln, die oft allzu eng gearbeitet sind und dadurch zu gefährlichen Stauungen im Bein führen können, bieten die Stiefeletten jegliche Freiheit. Und gegen Kälte kann man sich bestens mit dicken, übrigens sehr modischen Strümpfen wappnen.